Bildung in Gefahr – es wird zu wenig auswendig gelernt und gesungen

Singen, allein oder in der Gruppe, ist eine der gesündesten und sinnvollsten Aktivitäten, die wir nur mit unserer Stimme machen können. Neben der alten Weisheit, „die Stimme ist der Spiegel unserer Seele“ behaupten Wissenschaftler schon lange, dass Menschen, die singen deutlich gesünder leben. Dabei dient der ganze „Körper als Resonanzraum“, die „Bildung von Immunglobulinen“ wird gefördert, „Singen befreit“, „Gesang schützt vor Depressionen“, usw. Die Liste positiver Argumente für das Singen ist lang, aber es wird trotzdem weniger gesungen. Das merken vor allem Organisatoren von Festen, Skt. Martinszügen, Osterfeuern sowie die Pfarrer/Pastoren in den Kirchen, insbesondere zu den Festtagsgottesdiensten.

Die naheliegendste Vermutung ist, dass die meisten Menschen zum einen zu Hause kaum noch singen, da das Familienleben sich immer mehr ändert, besonders wenn beide Elternteile arbeiten müssen. Zum anderen wird auch in Schulen allgemein nicht mehr viel Wert auf das Auswendiglernen gelegt. Wenn überhaupt noch gesungen wird, dann meistens mit abzulesendem Text in der Hand. Allein singt dann natürlich auch niemand, schon gar nicht, wenn er die Liedtexte nicht kennt. Von den Liedtexten kommen wir gleich zum nächsten Thema, dem Auswendiglernen von Gedichten, die weder richtig einstudiert, noch vorgetragen werden müssen.

Am Ende kann der Durchschnittsbürger dann vielleicht noch 5 – 10 der bekanntesten Kinderlieder (Alle meine Entchen, Ein Männlein steht im Walde, etc.) und 2 – 3 klassische Weihnachtslieder (Stille Nacht, Kling Glöckchen klingelingeling, o.ä), das war es. Weder ein klassisches Gedicht von Goethe, Schiller, usw., noch den Großteil zahlloser deutscher Kinderlieder. Vielleicht reicht es gerade noch zum „Vater unser“ und der „Nationalhymne“.

Währenddessen warnen Wirtschaft und Industrie ständig, dass in naher Zukunft immer spezialisiertere und höher qualifiziertere Fachkräfte benötigt werden und die Kinder schaffen es nicht mal, das Mindestrepertoire an geistigem Gut ihrer eigenen Muttersprache zu erlernen.

Rationales Denken gilt als die Kunst, eine Synthese aus Erlentem und einer neuen Aufgabe herzustellen. Nur, wo ist der Bildungserfolg?

„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr“, auch das ist allgemein bekannt.

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